AD(H)S Mutter schaut mit großer Aufmerksamkeit auf ihr Handy, Tablett, Laptop

AD(H)S und Aufmerksamkeit

Die Abkürzung AD(H)S steht für Aufmerksamkeitsdefizit-(Hyperaktivitäts)-Störung also eine zu geringe Aufmerksamkeit.

Wer ist hier nicht aufmerksam? Üblicherweise gehen wir davon aus, dass das Kind nicht aufmerksam ist. Das mag ja z.B. im schulischen Bereich auch stimmen.

Nun kommt jedoch meine provokante Frage. Sind denn die Eltern aufmerksam? Sind Eltern wachsam und kümmern sich um die Bedürfnisse ihres Kindes? Richten wir Erwachsene immer unsere Aufmerksamkeit auf das Kind? Oder besser gesagt, schenken wir Erwachsene unseren Kindern die nötige Achtung?

Wie Eltern zu Hause mit ihrem Kind umgehen, kann ich nicht beurteilen. Ich kann nur beurteilen, was ich sehe – z.B. im Restaurant, im Flugzeug oder in meinem Urlaub.

Ich nehme wahr, dass von Kleinstkindern bis Jugendliche in einem Restaurant Kinder stets vor das Handy oder Tablett gesetzt werden. Den Kindern wird dann ein Film vorgespielt, damit sich die Eltern ganz entspannt mit ihren Freunden unterhalten können. Das Kind ist abgelenkt und beansprucht nicht die Aufmerksamkeit der Eltern.

AD(H)S Kind sitzt mit großer Aufmerksamkeit am Handy, Tablett, Laptop

Vor einigen Jahrzehnten gab es noch kein Handy, kein Tablett, keinen Laptop und keinen Computer. Ich behaupte nicht, dass die Zeit damals besser war. Kindererziehung war auf jeden Fall anders als heute. Wenn damals Eltern mit ihrem Kind in ein Restaurant gingen, musste sich entweder Vater oder Mutter mit dem Kind beschäftigen. Eltern hatten stets Papier und Malstifte oder Spielsachen für das Kind dabei. Und entweder Vater oder Mutter musste sich um das Kind kümmern.

Auch im Flugzeug läuft heutzutage die Situation ganz genauso ab. Hierbei kann es sogar vorkommen, dass Eltern schon ihren Babys Beruhigungs- bzw. Schlafmittel geben, nur damit sie während des Fluges nicht schreien. Sind Eltern hier aufmerksam? Ja, Eltern sind aufmerksam gegenüber den Mitreisenden, damit diese nicht gestört werden. Sind Eltern jedoch auch gegenüber ihrem Kind aufmerksam? Diese Frage darf sich jeder selbst beantworten.

Im Urlaub nehme ich Eltern wahr, die beide gleichzeitig mit ihrem Handy, Tablett oder Laptop beschäftigt sind. Wenn ein Kleinkind dann schreit, bekommt es schnell den Schnuller in den Mund gesteckt. Bei älteren Kindern fangen die Eltern entnervt an, mit dem Kind zu schimpfen. Und noch ältere Kiddies haben natürlich schon ihr eigenes Handy. Worauf richten also viele Eltern ihre eigene Aufmerksamkeit? Eher auf die Bedürfnisse des Kindes oder eher auf ihr Handy?

Ich nehme wahr, dass sich die Einstellung von Eltern gegenüber ihrem Kind auf jeden Fall in den letzten Jahrzehnten sehr gewandelt hat!

Wer ist also in vielen Fällen nicht aufmerksam? Das Kind? Worauf soll das Kind überhaupt seine Aufmerksamkeit richten? Doch grundsätzlich auf das, was wir Erwachsene ihm vorschreiben! Oder soll und darf das Kind noch Kind sein und seine Aufmerksamkeit auf seine eigenen Bedürfnisse richten? In dem Wort Bedürfnis steckt das Wort dürfen. Was darf ein Kind? Was darf ein Kind tun, um Kind zu sein?

Wenn wir Erwachsene achtsam sind und unsere Kinder in ihren kindlichen Bedürfnissen z.B. nach Bewegung wahrnehmen und sie als Individuen achten, dann ist schon ein großer Schritt zu einer menschlicheren Gesellschaft getan.

Werden wir doch einfach zu „Menschlern“, d.h. achten wir die Würde des Anderen. Und dabei sollten wir bei unseren Kindern beginnen! Passen wir nicht unsere Kinder den Gegebenheiten an, sondern passen wir die Gegebenheiten den Kindern an.

Was brauchen Kinder wirklich?