AD(H)S-Junge im Karton

Michel aus Lönneberga mit AD(H)S?

Erinnerst du dich noch an den Straßenfeger für Kinder in den 70er Jahren? Gemeint ist  „Michel aus Lönneberga“ von der weltbekannten, erfolgreichen Kinderbuchautorin Astrid Lindgren.

Michel lebte auf dem Katthult-Hof in Lönneberga in Schweden gemeinsam mit seinem Vater Anton, seiner Mutter Alma, der Schwester Klein-Ida, dem Knecht Alfred und der Magd Lina.

Mit seinen Streichen hielt Michel seine ganze Familie auf Trab und trieb sie teilweise an den Rand des familiären Wahnsinns. So verschluckt er aus Versehen ein Geldstück oder er stellte eine Rattenfalle auf, in die sein Vater aus Versehen hineintrat. Oder er sperrt beispielsweise den Vater unwissend im Toilettenhäuschen ein.

Immer wenn Michel etwas angestellt hatte, wurde er in den Tischlerschuppen gesperrt. Und da er sehr viel Schabernack trieb, saß er oft im Tischlerschuppen und schnitzte dort seine Holzmännchen.

Auf der anderen Seite war Michel sehr hilfsbereit und gutherzig. So lud er an Weihnachten die Menschen aus dem Armenhaus zum Festessen ein oder er fuhr bei Schneesturm den schwerkranken Knecht mit dem Pferdeschlitten zum Arzt.

Nun, dieser Michel würde höchstwahrscheinlich heute, mehr als 40 Jahre später, den Stempel AD(H)S aufgedrückt bekommen. Er würde höchstwahrscheinlich in den „Genuss“ des Medikaments Ritalin kommen und die medizinische Diagnose dazu würde lauten: AD(H)S.

Was man früher mit schlechter Erziehung abtat, ist heutzutage eine vom Arzt diagnostizierte „Erkrankung“:

AD(H)S – Aufmerksamkeits-Defizit-(Hyperaktivitäts)-Syndrom.

 

Was machen die Michel von Lönneberga heute – wie denken sie?

Alle Kinder haben diesen Michel geliebt. Eines dieser Kids, die fasziniert jede Folge gebannt im Fernsehen anschauten, bist heute du, liebe Leserin, lieber Leser. Du bist heute selbst Vater oder Mutter von Kiddies und hast vielleicht vergessen, was Kind sein ausmacht. Dazu gehören nämlich nicht nur die guten Noten in der Schule oder ein ruhiges, angepasstes Verhalten und am besten still in der Ecke sitzen.

Nein, Kind sein heißt: toben, auf Bäume klettern, die Knie blutig schürfen und Streiche aushecken. Aber dürfen das unsere Kinder von heute überhaupt noch? Du hast es früher bestimmt getan!

Heutzutage scheint es Eltern viel wichtiger zu sein, mit ihren Kindern angeben zu können wie mit einem guten Job oder dem neuem Auto. Dazu gehört, dass die Kinder „Parieren“ im Sinne von: folgsam, ruhig sein und natürlich ein guter Schüler sein.

Wollen wir als Eltern oder grundsätzlich als erwachsene Mitglieder einer Gesellschaft tatsächlich nur Kinder, die funktionieren wie ein Schweizer Uhrwerk? Diese Frage muss endlich gestellt werden!

Bevor du als Vater oder Mutter beim nächsten Mal also wieder nahe daran bist, am Temperament deines Kindes zu verzweifeln: Denke doch einfach wieder an das Schmunzeln in deinem eigenen Gesicht, als du als Kind gebannt die Abenteuer von Michel aus  Lönneberga verfolgtest.

Eine gar nicht perfekte Familie, aber haben sich nicht alle geliebt?